CASA CHROMA

Freitag. 1. Mai, 17 Uhr – Panelists

Ester Bruzkus 

Ester Bruzkus ist Architektin und Mitgründerin des Berliner Büros Bruzkus Greenberg, das für eine konzeptionell präzise und zugleich atmosphärisch vielschichtige Gestaltungssprache steht.

Ihr Schaffen entfaltet sich im Spannungsfeld von Architektur, Innenarchitektur und räumlicher Inszenierung. Ausgangspunkt ist ein tiefes Verständnis von Raum als kulturelle und sinnliche Kategorie, die sich über Proportion, Material und insbesondere Farbe konstituiert. Farbe begreift sie nicht als additive Oberfläche, sondern als konstitutives Element, das Wahrnehmung strukturiert, Raumtiefe moduliert und Identität hervorbringt.

Die Arbeiten von Bruzkus Greenberg sind geprägt von einer klaren konzeptionellen Haltung, die sich in einer ruhigen, präzise komponierten Formensprache manifestiert. Ihre Projekte im hochwertigen Wohn, Arbeits und Hospitality Kontext zeichnen sich durch eine subtile Dramaturgie aus, in der Materialität, Lichtführung und Farbigkeit in ein fein austariertes Verhältnis gesetzt werden. Räume entstehen hier nicht als bloße Hüllen, sondern als atmosphärisch aufgeladene Gefüge, die Nutzung, Kontext und Wahrnehmung in einen kohärenten Zusammenhang überführen.

Das Büro wurde für seine Arbeiten mehrfach ausgezeichnet und in internationalen Architektur- und Designpublikationen umfassend rezipiert.
Ester Bruzkus steht für eine Gestaltung, die intellektuelle Klarheit mit sinnlicher Erfahrbarkeit verbindet. Ihre besondere Stärke liegt in der Fähigkeit, Räume über differenzierte Farbkonzepte emotional zu verdichten, ohne deren architektonische Präzision zu kompromittieren.

Ihr Know-how im Umgang mit Farbe geht dabei weit über klassische Farbgestaltung hinaus. Sie versteht Farbe als strategisches Instrument der Raumorganisation, als Mittel zur Gliederung, zur Führung von Blickbeziehungen und zur bewussten Codierung von Atmosphäre innerhalb eines architektonischen Kontinuums.

Josh Gorell

Josh Gorell ist ein engagierter Bewahrer moderner Architektur und ein leidenschaftlicher Verfechter einer authentischen Baukultur. Besonders hervorzuheben ist seine Arbeit an bedeutenden Beispielen des kalifornischen Modernismus: So sicherte er das Van Dekker House von Rudolf Schindler und bewahrte damit ein wichtiges Zeugnis experimenteller Wohnarchitektur vor dem Verfall.

Zudem verantwortete er die behutsame Restaurierung der Kuhn Residence von Richard Neutra, wobei er großen Wert auf den Erhalt originaler Materialien und der gestalterischen Intention legte. Für diese konservatorische Arbeit erhielt er Anerkennung im Kreis des Neutra Institute for Survival Through Design, was seinen präzisen und respektvollen Umgang mit architektonischem Erbe unterstreicht.

Gorell versteht Architektur nicht nur als Bauwerk, sondern als kulturelles Gut, dessen ursprüngliche Integrität und Bedeutung es zu bewahren gilt.

Jürgen Nogai

Jürgen Nogai ist ein deutschstämmiger Fotograf, der vor allem durch seine enge und langjährige Zusammenarbeit mit dem Architekturfotografen Julius Shulman internationale Bekanntheit erlangte. Nach einer ersten beruflichen Laufbahn in Deutschland übersiedelte er in die USA, wo er sich zunehmend der Fotografie widmete und seit den 1990er Jahren als Geschäftspartner, Kompagnon und prägender Mitgestalter von Shulmans Spätwerk wirkte. In dieser Konstellation entstand ein ebenso produktiver wie einflussreicher Werkzusammenhang, der sich insbesondere der fotografischen Erfassung ikonischer Wohnhäuser der Moderne in Kalifornien widmete und wesentlich zur Reaktualisierung dieses architektonischen Erbes beitrug.

Nogais fotografische Praxis bewegt sich im Spannungsfeld von präziser Dokumentation und interpretativer Verdichtung. Seine Arbeiten zeichnen sich durch eine klare, strukturell lesbare Bildsprache und eine subtile, atmosphärisch aufgeladene Dramaturgie aus, in der Lichtführung, Perspektive und räumliche Komposition in ein fein austariertes Verhältnis treten. In der Zusammenarbeit mit Shulman entwickelte er eine differenzierte Form der architektonischen Bildinszenierung, die sowohl historische Sensibilität als auch zeitgenössische Wahrnehmungsweisen integriert und international Maßstäbe setzte.

Als Mitautor zentraler Publikationen und als Mitverantwortlicher für die Edition und Kontextualisierung des fotografischen Nachlasses Shulmans trug Nogai entscheidend dazu bei, dieses Werk einem breiten internationalen Publikum zugänglich zu machen und dessen Wirkung nachhaltig zu prägen. Seine eigene Position lässt sich als intellektuell reflektierte Weiterführung der klassischen Architekturfotografie verstehen, die architektonische Form, kulturellen Kontext und visuelle Narration in eine kohärente Bildsprache überführt.

Jan-Marek Buch & Andreas Schudrowitz – Buch & Schudrowitz

Jan-Marek Buch und Andreas Schudrowitz stehen mit ihrem Büro Buch & Schudrowitz für eine fundierte Expertise im Bereich Architektur, Bauforschung und denkmalgerechter Sanierung. Ihr Schwerpunkt liegt insbesondere auf der Analyse, Rekonstruktion und sensiblen Weiterentwicklung historischer Bausubstanz, wobei sie großen Wert auf Authentizität und gestalterische Präzision legen.

Zu ihren besonderen Stärken zählen die detaillierte Auseinandersetzung mit originalen Materialien, Farbkonzepten und architektonischen Leitgedanken sowie die enge Abstimmung mit Denkmalschutzbehörden. Ihre Arbeit ist geprägt von einem hohen Respekt gegenüber dem Bestand und dem Anspruch, historische Gebäude in ihrer ursprünglichen Qualität zu bewahren und gleichzeitig behutsam in die Gegenwart zu überführen.

Ein herausragendes Beispiel ihrer Tätigkeit ist die erfolgreiche Farbrekonstruktion eines Neutra-Hauses in Berlin-Zehlendorf. Hier haben sie maßgeblich dazu beigetragen, die ursprüngliche Innenausstattung sowie die originalen Wandfarben wiederherzustellen und damit die architektonische Intention des Gebäudes authentisch erlebbar zu machen.

Buch & Schudrowitz verbinden architektonisches Fachwissen mit einem tiefen Verständnis für historische Zusammenhänge und schaffen so nachhaltige Lösungen im Spannungsfeld zwischen Erhalt, Nutzung und gestalterischem Anspruch.

Olin Roenpage

Olin Roenpage hat sich schon früh für Kunst, Design und Architektur begeistert und für den Erhalt und die Wiederherstellung der Ursprünglichkeit. Alles hatte angefangen bei seinem ersten selbstrestaurierten VW Käfer. Spätere Schritte waren als Student in Altbauwohnungen den Terrazzo freizulegen, den alten Linoleumboden zum Glänzen zu bringen und den Stuck unter abgehängten Decken wieder hervorzubringen. Es ging immer, um das Hineinhören was das Design oder die Architektur einem mitteilt. Es ist wie das Fahren mit einem Chauffeur – man muss dem Designer oder dem Architekten vertrauen. Ein echtes Herzendprojekt war die Restaurierung der Neutra Villa in der Onkel-Tom-Straße 91 zusammen mit seiner Frau. Mit der Unterstützung von dem Denkmalpfleger Buch-Schudrowitz haben sie sich auf die Reise begeben und Schritt für Schritt das Ursprüngliche wieder zum Leben erweckt und das Außendenkmal auf der Basis der Befunde sogar zum Innendenkmal gemacht. Dies wurde 2010 durch zweiten Platz beim Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege anerkannt und durch eine Reportage in der AD wurde das Ergebnis in der Öffentlichkeit vorgestellt.